Die Erinnerung der Betroffenen bewahren – Filme mit Zeitzeug*innen

Die Erinnerung an den Holocaust lebendig zu halten ist seit Jahrzehnten ein Anliegen von vielen Filmen über die Zeit des Nationalsozialismus. Spiel-, Dokumentarfilme und TV-Dokumentationen prägen vor allem die Vorstellungen von jungen Leuten über die Verbrechen der Nazis und deren Opfer. Aufwändig produziertes fiktionales Geschichtsfernsehen wie die ZDF-Serie ›Unsere Mütter, unsere Väter‹ (2013) wird heute von den Sendern mit allen Mitteln des Marketings als spektakuläres Event inszeniert um hohe Einschaltquoten zu erzielen. Ein mediengeschichtlicher Meilenstein war dagegen die TV-Serie ›Holocaust‹ (1979). Wie Studien zu deren Wirkung zeigten, hat die vom amerikanischen Sender NBC produzierte Serie maßgeblich die Bereitschaft in Deutschland befördert, sich der Schuld an der Vernichtung der europäischen Juden zu stellen.

Über ihre Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus sprechen konnten Opfer wie Täter oft erst in den 80er/90er Jahren. Diese Erfahrung hat auch der Bremer Filmemacher Wilhelm Rösing gemacht. Er wirkte Mitte der 80er Jahre als Kameramann an der Produktion von ›HOTEL TERMINUS – Zeit und Leben des Klaus Barbie‹ mit, dem Oscar-prämierten vierstündigen Dokumentarfilm von Marcel Ophüls. Um die Wahrheit über den Gestapo-Chef von Lyon und seine Helfer herauszufinden wurden während der 2-jährigen Drehzeit 120 Stunden Interviews mit Zeugen aufgenommen. Für Wilhelm Rösing war die Mitarbeit an diesem Film eine der wichtigsten Erfahrungen für seine Entscheidung, mit eigenen Dokumentarfilmen insbesondere die Geschichten von jüdischen Emigrant*innen zu erzählen. In seinen Filmen geht es um das Überleben im Terror, die Bedeutung von Literatur und Musik für die innere Freiheit, um Widerstand und deutsches Mitläufertum.

z-cross sprach mit Wilhelm Rösing über seine filmische Arbeit am Beispiel der Filme ›Und wir sind begeistert mitmarschiert‹ (2003) und ›Enjoy the Music – Die Pianistin Edith Kraus. Vom Wunderkind durch Theresienstadt nach Israel‹ (2012).

Mehr über Filme von Wilhelm Rösing und Marita Barthel-Rösing: www.roesingfilm.de

von Jens Werner